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Wie bestimmt man Vögel ?


Das Beobachten und Bestimmen von freilebenden Vögeln ist mittlerweile zu einem in vielen Ländern Europas weit verbreiteten Hobby geworden. Der „Feld-Ornithologie“ nachzugehen heißt, seine Freizeit in der Natur zu verbringen und der Vogelwelt nachzuspüren. Das bringt viel Freude, Beruhigung und Entspannung; es ist ein sinnvolles Hobby, das keiner jahreszeitlichen Einschränkung unterliegt und an jedem Ort stattfinden kann - im eigenen Garten, dem Stadtpark oder in fernen Ländern im Urlaub. Die Beschäftigung der Vogelbestimmung erfordert aber auch Kenntnisse, Erfahrung und natürlich viel Geduld.

Vögel zu bestimmen ist nicht immmer einfach, denn im Gegensatz zum Museumspräparat oder der Abbildung im Bestimmungsbuch halten frei lebende Vögel nur selten längere Zeit still, von der unverhofften Begegnung bleibt oft nur ein flüchtiger Eindruck, der nicht selten zu kurz ist, um die Artzugehörigkeit des Vogels zu ermitteln. Man muss sich also rasch möglichst viele Merkmale einprägen, bevor der Vogel wieder verschwindet.

Man sollte sich stets vor Augen halten, dass unsere Wahrnehmung manchen optischen Täuschungen unterliegt, die uns im Freiland in die Irre führen können. So werden je nach Lichtverhältnissen und Umgebung manche Farben, aber auch die Kontrastwirkung von Gefiederteilen ganz unterschiedlich wahrgenommen; besonders im Gegenlicht wirken Farben nicht selten nur noch dunkel, beispielsweise der rote Halsfleck der Sternentauchers. Auch sollte man bedenken, dass die richtige Größenabschätzung eines unbekannten Vogels nicht immer gelingt.

Nicht selten bekommt man einen Vogel in einem Gefiederkleid zu sehen, das man noch nicht kennt oder nicht im Bestimmungsbuch findet, manche Vögel sehen nämlich je nach Geschlecht und Jahres-zeit ganz verschieden aus.

Selbst ein so bekannter Vogel wie das Rotkehlchen, kann den Anfänger verwirren, wenn es sich nur von Hinten zeigt und die typische Rotfärbung von Kehle und Brust nicht zu sehen ist. Im Jugendkleid fehlt dem Rotkehlchen sogar jegliches Rot im Gefieder.

Einen Stockentenerpel im farbenfrohen Prachtkleid zu bestimmen ist kein Kunststück, doch wenn der Vogel im Spätsommer das unscheinbare, weibchenähnliche Schlichtkleid trägt, muss man schon genauer hinsehen, um Art und Geschlecht richtig zu benennen.

Auch Lücken im Gefieder, die durch die Mauser entstehen, können die Gestalt eines Vogels nach-haltig verändern und die Bestimmung stark erschweren. Fehlen ein paar innere Steuerfedern im Schwanz der Rohrweihe, hält man sie wegen des dann gegabelt ausstehenden Schwanzes möglicher weise für einen Schwarzmilan.

So läßt sich die Zahl der Beispiele beliebig erweitern, die Beobachter vor allem im Anfangsstadium vor Probleme stellen. Doch auch erfahrene Ornithologen haben nicht immer sofort eine Antwort parat wenn ihnen ein unbekannter Vogel begegnet. Nicht selten bleibt so ein Vogel auch unbestimmt.

Die geschilderten Schwierigkeiten sollten zu genauem Hinsehen und kritischer Beurteilung des Gesehenen anregen. Es besteht kein Anlass, sich entmutigen zu lassen, denn jeder der Spaß an der Feldbeobachtung hat, kann auch lernen, eine große Zahl freilebender Vögel richtig zu bestimmen.